Wenn repräsentative Demokratie nicht repräsentiert
Die Interessen ME/CFS-Kranker kommen politisch kaum vor
5.1.2025

Die drastische politische Vernachlässigung ME/CFS-Kranker zeigt, dass mangelhafte Repräsentation nicht in erster Linie eine Frage der Gruppengröße ist. Es gibt in Deutschland eine sechsstellige Zahl betroffener Menschen – und dennoch werden ihre fundamentalen Interessen fast vollständig ignoriert.
Eine Ursache für diese Vernachlässigung ist, dass Menschen mit ME/CFS gesundheitlich schwer beeinträchtigt sind. Ihre politisch einsetzbaren Ressourcen sind daher von vornherein stark limitiert. Doch darüber hinaus sind es systemische Ursachen, die ihren Interessen einen Riegel vorschieben.
Diese systemischen Ursachen bestehen darin, dass der Zugang zum politischen System an zahlreiche formelle und informelle Voraussetzungen geknüpft ist – Voraussetzungen, die von Menschen innerhalb dieses Systems festgelegt und Menschen außerhalb des Systems auferlegt werden.
ME/CFS-Kranke haben es sich nicht ausgesucht, dass politische Arbeit in Deutschland in einer Weise organisiert ist, die sie für sie oftmals unmöglich macht. Das fängt bei körperlich nicht erreichbaren Sitzungen an geht bei Abstimmungsmodalitäten und den Rahmenbedingungen von Ämtern und Mandaten weiter.
Politische Mitwirkung und Repräsentation müssen grundlegend neu gedacht werden, damit sie Gruppen einschließen, die vom System bislang strukturell ausgegrenzt werden. Wo immer es machbar ist, müssen Gruppen sich selbst vertreten können, um sich unmittelbar einzubringen.
Nur ein solcher verbesserter Zugang würde diesen Gruppen dazu verhelfen, ihren Interessen im politischen System eine demokratisch angemessene Geltung zu verschaffen. Dass andere die Interessen dieser Gruppen schon hinreichend berücksichtigen würden, ist nichts als eine privilegierte Illusion.
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