Ohne Macht keine Anerkennung

Wissen über ME/CFS wird so lange ignoriert, wie die politische Konstellation es zulässt

30.4.2026 | Autor: Waldmeer


Die systematischen gutachterlichen Verfehlungen in Österreich zeigen erneut, dass Wissen über ME/CFS so lange ignoriert wird, wie die politische Konstellation es zulässt. Ausschlaggebend für die Anerkennung des Wissens ist nicht sein Wahrheitsgehalt; es sind seine finanziellen und statusbezogenen Folgen.

Wissen, dessen Anerkennung Geld kosten und gutachterliche Gatekeeper-Privilegien relativieren würde, wird beiseite geschoben und als irrelevant abgekanzelt – egal, wie wissenschaftlich fundiert es ist. Eine radikale Binnenlogik, die auf den Erhalt des Status quo abzielt und zulasten schwerkranker, unversorgter Betroffener von ME/CFS geht.

Zu einer Anerkennung des Wissens über ME/CFS in allen Bereichen wird es erst kommen, wenn genügend Druck aufgebaut wird, der dies erzwingt. Es geht bei ME/CFS nicht um herrschaftsfreien Diskurs und freischwebende Argumente, sondern um harte Interessenkonflikte innerhalb verfestigter Hierarchien. Kurz: es geht um Macht.

Das Gute daran ist: Wenn nicht allein Wissen, sondern vor allem Macht der Schlüssel zur Anerkennung ist, muss man weder Mediziner*in noch Wissenschaftler*in sein, um die ME/CFS-Welt in Bewegung zu bringen. Machtverhältnisse ändern sich, wenn Menschen ihre persönlichen und gemeinsamen Gestaltungsspielräume nutzen. Der ME/CFS-Awareness-Monat Mai bietet zahlreiche Gelegenheiten dazu.



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